14. Juli 2018
von attix
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Kopfhörer Endgame

Der Urknall

Kopfhörer sind schon so eine Sache. Der eine liebt sie, ein anderer hasst sie aber für die meisten sind die kleinen Kopflautsprecher doch nur ein gewöhnlicher Gebrauchsgegenstand, der irgendwo in einer Tasche vergraben die meiste Zeit herumexistiert. Ich gehöre ganz klar zur ersten Kategorie. Denn nur Kopfhörer schaffen diese unglaublich intime Atmosphäre und das unabhängig davon, wo man sich gerade befindet. Die Raumeigenschaften spielen, insbesondere bei gut isolierenden Kopfhörern, nahezu keine Rolle. Der erste Kopfhörer, der mir irgendwie im Gedächtnis geblieben ist, war Mitte der 90er ein Vivanco. An das genaue Model kann ich mich nicht erinnern. Aber das Teil hatte einen Sound, wie ich ihn vorher so noch nicht gehört hatte. Ich kannte bis dahin nur die mitgelieferten Kopfhörer von Walkmans/Discmans. Diese kleinen schwarzen Teile mit dem silbernen Bügel und den Schaumstoff-Polstern. Die gibt’s auch heute noch in Flugzeugen zu kaufen. Der Vivanco hatte einen satten Sound mit Lautstärkerregulierung am Kabel und, damals noch viel wichtiger, einen Schalter für „Super Bass“. Denn die Eurodance Sachen, die ich damals hörte, waren recht dünn abgemischt. Der Kopfhörer erlag dann recht schnell einem Kabelbruch und das Thema hatte sich erstmal erledigt. 2002 erstand ich im Media Markt einen Sony MDR V300. Der beeindruckte mich damals ungemein und ich glaubte, viel mehr geht da nicht. Erst nachdem ich einige unterschiedlich DJ-Kopfhörer durchprobiert hatte erkannte ich da einiges an Potenzial. Mein erstes wirkliches Highlight war 2010 ein AKG K701. Von da an waren Kopfhörer für mich mehr als nur ein Gebrauchsgegenstand – sie wurden zu einer Leidenschaft.

Was hatte ich nicht alles schon auf dem Kopf. Unterschiedliche Modelle jeweils von: AKG, Audeze, Beyerdynamic, Fostex, Hifiman, Klipsch, KRK, Oppo, Pioneer, Sennheiser, Sony, Stagediver, Stax, Shure, Technics und Ultrasone + die, an die ich mich nicht mehr erinnern kann. Von diesen gefühlt 100 unterschiedlichen Modellen sind mir einige wenige ans Herz gewachsen. Das sind ganz klar die Elektrostaten der Firma Stax (SR-207 bis SR-507, SR-007), die Magnetostaten von Hifiman (HE-4, HE-6, HE-500), AKG (K181 DJ, Q701), Audezes Magnetostaten (LCD-2, LCD-3), Fostex (TH-900), Sennheiser HD-25 sowie der Stagediver SD-2. Mein absoluter Liebling aber ist der Sennheiser HD800. Den hörte ich mal im Hifiladen in Berlin und es war Liebe auf den ersten Ton.

It’s coming home

Der HD800 ließ mich seit dem nie los. Irgendwann nun hatte ich mal Glück ihn günstig und in super Kondition in den ebay-Kleinanzeigen zu schießen. Als ich den Hörer endlich mal wieder aufsetzen konnte, entstand auch gleich dieses tolle Gefühl, den richtigen gefunden zu haben. Allerdings fehlte mir etwas am Sound das in Berlin nicht fehlte und mich fast dazu brachte den Sennheiser wieder zu verkaufen. Was ich in den nächsten Wochen erst herausfinden musste, war, dass der HD800 sehr wählerisch in der Auswahl eines geeigneten Kopfhörerverstärkers ist. Ja, richtig, mit einem Kopfhörer allein ist es nicht getan. Schon gar nicht bei einem so feinen Gerät wie dem HD800. Das Thema war mir allerdings schon bekannt, da die Hifimänner damals um 2011 nicht anders waren und spezielle Kopfhörerverstärker mit richtig Bumms am Ausgang brauchten. 2 Watt in 50 Ohm war die Mindestanforderung! Nun höre ich mit dem Sennheiser ausschließlich Konserven vom PC. Also benötigt man noch einen hochauflösenden Digital zu Analog Wandler. Kurz DAC. Ich hatte bereits Erfahrungen mit den Teilen von Audioquest – Dragonfly, Meridian Explorer – 1 und 2, Musical Fidelity – irgendwas, ifi nano IDSD und Rega. Mal abgesehen von dem Rega-DAC konnte keiner der eben genannten Wandler den Sennheiser zum glänzen bringen und den Rega-DAC besitze ich schon eine Weile nicht mehr. Man merkte einfach, dass das nicht alles sein kann, was der HD800 zu leisten vermag. Erst die Kopfhörerverstärker/DAC-Kombi in Form des aune T1SE MKIII zeigte eine zufriedenstellende Lösung. Das Teil sieht auch noch hübsch auf dem Schreibtisch aus und ist ein Röhrenhybrid. Also ein Teil des integrierten Verstärkers wird über eine Elektronenröhre realisiert. Das läd zum experimentieren ein. Denn Röhren unterscheiden sich etwas im Klang je nach Hersteller. Natürlich habe ich getestet. Eine Empfehlung war eine 6N23P-EV. Die passt für mich perfekt und löst deutlich besser auf als die im Lieferumfang des T1SE mitgeführte Electro Harmonix.

Glühende Verstärkung

Die Wandlung stimmte nur der Sound war noch nicht rund. Ein für mich zu helles Klangbild und zu wenig Bühne. Gerade die Bühne war doch die Paradedisziplin des HD800. Obwohl ich anfänglich gar keine Lust darauf hatte, wieder mit Kopfhörerverstärkern zu experimentieren, machte es am Ende doch wieder einfach nur Spaß. Ich hatte ja bereits Bekanntschaft mit den Verstärkern von Lake People / Violectric gemacht und so fiel meine Wahl auch gleich auf diese. Erstmal den kleinen geordert, den Lake People G103 S und ja, es wurde ein Stück besser. Die Tonalität schob sich etwas in meine gewünschte Richtung und der Detailreichtum wuchs. (btw bekommt der G103 meine vollste Empfehlung für den Preis) Nun war die Überlegung den großen G109 P oder doch die Premiummarke Violectric in Form der HPA V100 und V200? Der Violectric HPA V200 gilt ja als die top Empfehlung für den HD800. Irgendwie wurde ich aber das Gefühl nicht los, dass ein Transistorverstärker nicht das ist, was ich suche. Da fiel mir der Cayin HA-1A ein, den ich mit einem Freund damals in Berlin hören konnte. Ein wunderschöner Röhrenkopfhörerverstärker mit unglaublichen Leistungsreserven. Und ja, genau der sollte es werden. Die Kombination aus dem Röhrenhybrid aune T1SE MKIII + Cayin HA-1A + Sennheiser HD800 erfüllt alle meine Vorstellungen. Perfekte Tonalität gepaart mit einer realen Bühnendarstellung und sehr hohem Detailreichtum ohne den Fokus zu sehr auf die ganzen Mikrodetails zu lenken. Was für mich der Vorteil eines Röhrenamps im Vergleich zu Transistorenamps ist, ist ganz klar die authentischere Wiedergabe. Ein Transistoren Verstärker erklingt irgendwie zu technisch für meinen Geschmack. Wie soll ich das ausdrücken? Er klingt sauberer und punchiger als ein Röhrenamp. Viele mögen das. (Eine CD gibt auch ein technisch besseres Signal wieder als eine Schallplatte. Trotzdem macht die Schallplatte einfach mehr richtig für meinen Geschmack als digitale Konserven.) Ich finde auch, dass gerade in Bezug auf handgemachte Musik, diese nicht technisch klingen soll. Also nicht nach dem Motto, wir als Hersteller zeigen was möglich ist. Ich versuch es mal so: bis ein Lied den Weg auf den eigenen Rechner/Handy/DAP gefunden hat, durchläuft es viele technische Stationen. Angefangen vom Mikrofon in das gesungen wird, über das Mischpult, Effekte, Kompressoren, Bandsättigung, Samplingratenkonvertierung und und und. Da wird dann mit viel technischem Aufwand versucht, gerade Stimmen, in eine bestimmte Richtung zu drücken. Eben, mit viel technischem Aufwand. Bei einem richtig guten Transistoramp wird mir dieser technische Einsatz viel deutlicher bewusst. Der HD800 zeigt dir das einfach. Ein Röhrenamp ist in der Darstellung der Transienten weicher, er klingt wärmer, nimmt der Stimme das kühle technische etwas ab – kommt näher zurück an den Ursprung. Hinzu kommt, dass so ein Röhrenamp „lebt“. Der muss ja erstmal etwas auf Temperatur kommen, um möglichst gut zu klingen. Wenn kein Sound spielt und ich die Kopfhörer schon auf habe, weil ich einfach nicht warten will, höre ich regelrecht wie der HA-1A sich bereit macht. Da gibt es vereinzelt leise Töne, die nach einem Glöckchen klingen. Das hat wohl mit der Mikrofonierung der Röhren und der Ausdehnung durch Wärme zu tun. Das hat irgendwie was. Ich vergleiche gerne mit High-Res Aufnahmen, die ich mit einem Zoom H1 gemacht habe, von Stimmen, die ich nahezu täglich höre. Dadurch kann ich Equipment sehr gut einschätzen. Egal ob Kopfhörer oder Lautsprecher. Nichts klang bis zum HD800 + HA-1A so nah an der Wirklichkeit! Das gehörte wirkt teils so real, dass meine Fußsohlen anfangen im Takt der Bassdrum zu krabbeln. Man kennt das von Konzerten oder dem Clubbesuch wenn der Boden resoniert. So sehr wird mein Körper verarscht. Ich finde das beeindruckend und auch witzig.

Wo Sonne scheint, da fällt auch Schatten

Klar gibt es auch an dieser traumhaften Kombination negative Kritikpunkte für mich.

  • der pekuniäre Aufwand ist nicht ohne, aber das haben Hobbies so an sich
  • das Kabel des HD800 ist störrig und nervig
  • auch wenn der HA-1A hier viel geholfen hat neigt der Kopfhörer bei spitzen Aufnahmen etwas zum zischeln bei Sibilanten
  • der HA-1A ist ein Class-A Verstärker – ergo er brauch viel Strom und wird richtig warm / fast heiß
  • der Kopfhörerverstärker hat ein klar erkennbares Grundrauschen
  • Elektronenröhren haben eine deutlich begrenzte Lebenszeit

Das sind alles Dinge mit denen ich klar kommen muss und auch will. Der Genuss entschädigt und lässt diese Punkte nahezu verschwinden. Noch ein paar Worte an die Leute, die glauben, dass es keine klanglichen Unterschiede bei Elektronenröhren oder Verstärkern gibt. Ich sag nur „a wire with gain“, sucht euch ein anderes Hobby. Ich verstehe diese Einstellung nicht. Wie langweilig wäre die audiophile Welt, wenn alles nach Objective2 klingen würde. Natürlich feintunen die Hersteller ihre Produkte um vom Sound her ein gewisses Publikum anzusprechen. Die einzigen zwei Verstärker, die ich beim besten Willen damals am Hifiman HE-500 nicht auseinander halten konnte waren der Violectric HPA V100 und der größere V200. Sonst höre ich persönlich immer Unterschiede bei DAC, Elektronenröhren oder Kopfhörerverstärkern. Die sind natürlich klein im Vergleich zu zwei unterschiedlichen Kopfhörern. Manchmal habe ich auch einen schlechten Tag und  höre weniger heraus. Entweder sind die Ohren etwas taub, die Konzentration weg oder zu viel „Lärm“-Smog. Am besten klingen offene Kopfhörer immer noch nachts. Mal drauf achten.

 

30. März 2018
von attix
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Reality Check mit Beyerdynamic DT 1770 und 1990 PRO

Nun war es soweit. Während eines Gesprächs mit meiner Frau hielt ich meinen AKG Q701 Referenz-Kopfhörer in der Hand und stellte überraschend fest, dass das Kopfband keine Spannung mehr hat. Mein geliebter Kopfhörer gibt nach nur drei Jahren auf. Damit erklärte sich auch, warum ich in letzter Zeit so eine Art Ticks entwickelt hatte. Ich war unbewusst ständig dazu genötigt gewesen den Kopfhörer auf meinem Schädel hoch zuschieben. Mal mit der rechten Hand, mal mit beiden oder auch ganz affig mit den Schultern, weil ich mich sonst unwohl fühlte mit dem Sitz. Etwas Schuld gebe ich mir an dem frühen schlapp machen des Kopfbandes auch. Der Kopfhörerständer, auf dem der AKG ruht, hat den Prozess wohl beschleunigt. Da ein schnelles DIY-Tauschen das Bandes nicht so einfach möglich ist und ich jetzt auch keine Unkosten dafür ausgeben wollte, musste also ein neues Paar her. Da der Nachfolger, der K712 von AKG, auch diese Kopfbandkonstruktion besitzt, schied er von Anfang aus.

Ich brauchte nicht lange überlegen um auf die neuen Studiohörer von Beyerdynamic zu kommen. Sie waren ehrlich gesagt meine erste Wahl. Die Beyer sind für ihre Langlebigkeit bekannt. So orderte ich also den DT 1770 Pro zusammen mit dem DT 1990 Pro. Das lag auch daran, dass ich in der Vergangenheit bereits die Vorgängermodelle DT 770 Pro und DT 990 Pro der Firma aus Heilbronn besaß.

 

Beyerdynamic DT 1770 Pro

Er kommt in einer, für meine Begriffe, vollkommen ausreichenden Verpackung daher. Ein schnörkelloser Umkarton aus Pappe verpackt ein robustes Hardcase in dem sich der Kopfhörer befindet. Finde ich klasse, da man den Kopfhörer so prima in einem Koffer verstauen kann ohne Angst haben zu müssen, dass er auf Reisen Schaden nimmt. Ebenfalls mit im Hardcase in einem separaten Täschlein befinden sich zwei Anschlusskabel. Das ist auch gleich die erste nennenswerte Verbesserung zum Vorgänger. Das Kabel ist endlich abnehmbar. Zur Wahl stehen ein gerades Kabel und das, nicht nur von mir, ungeliebte Spiralkabel des 770 Pro. Die Entscheidung fiel mir also nicht schwer. Der Anschluss ist ein Mini-XLR.

Der Tragekomfort ist einem besserem Halt ein kleines Stück gewichen. Bei mir drückt da glücklicherweise nichts. Ich bin da allerdings auch kein extremer Softie. Besaß schließlich mal einen HiFiMAN HE-4. Einem Freund gefiel der Anpressdruck weniger, erst als er seine Brille abnahm, war er zufrieden. Solche Befindlichkeiten müssen sich sicher eine Zeit lang eintragen. Aber so frisch aus der Box ist das nichts für jedermann. Besagter Freund brachte zum Vergleich seine DT 770 und 990 Pro in der ebenfalls 250Ohm Ausführung mit.

Der Klang. Da scheiden sich nun die Geister. Wie eigtl. immer. Er ist ein geschlossener Kopfhörer und somit nicht unbedingt meine Präferenz. Er überraschte mich dennoch mit einer sehr schönen Bühne. Pluspunkt! Auflösungsseitig ist er auch richtig gut. Hörbar besser als das Vorgängermodell. Stimmen kommen gut zur Geltung allerdings ein gutes Stück zu warm. Also zu bassig. Damit wären wir auch gleich bei einem ganz wichtigen Punkt. Der 1770er hat Bass und davon sehr viel. Ich höre nun viel basslastige, moderne Musik. Da prügelt einem teilweise der Bass ganz schön um die Ohren! Meistens ist es einfach zuviel. Hinzukommt, dass der Bass auch nicht gerade der straffste ist. Und so kommt man ins Grübeln, warum ein so erfahrener renommierter Kopfhörerhersteller sowas als Studiokopfhörer entwirft. Dabei gelangt man zu der Erkenntnis, dass das ein Kopfhörer für Drummer ist. Logisch, der will sein Schlagzeug vordergründig hören. Die Analogie dazu ergab sich mir beim Hinzuziehen des StageDiver SD3. Der ja auch so eine Abstimmung hat und für den Bühnenschlagzeuger entwickelt wurde. Sicherlich gibt es einige Leute, die so auch ihre Musik hören wollen. Die will ich hier nicht unterschlagen. Für mich ist das aber nichts. Ich habe es durchaus ein paar Tage lang probiert.

Beyerdynamic DT 1990 Pro

Da die Verpackung und der Tragekomfort nahezu identisch sind mit dem 1770 Pro spare ich die Wiederholung dessen. Vielleicht eins, zwei Worte zum Design. Das finde ich beim 1990er richtig gelungen! Sehr hübsch. Ich muss aber auch erwähnen, dass es für mich absolut irrelevant ist und nicht in die Beurteilung einfließt. Meine Ohren interessieren sich schließlich nicht dafür, wie ein Kopfhörer aussieht.

Somit gleich zum Klang. Hier begann das Ringen. Erstmal zur Bühne denn die ist klasse. Nicht zu groß und auch nicht zu intim. Wirkt durch die offene Bauweise sehr luftig und realistisch. 8/10 würde ich auf meiner imaginären Skala geben. Das ganze Klangbild hat für mich einen recht hellen Charakter. Ich hatte mal eine Zeit lang Field Recordings gemacht u.a. mit Stimmen meiner Familie und da entlarvt sich das immer recht schnell für mich. Ich weiß einfach wie die Stimmen klingen, da ich sie täglich höre. Die Auflösung ist auch sehr gut! Also wirklich, was da alles für Details in der Musik zum Vorschein kommen ist beeindruckend. Da hilft sicherlich auch die Betonung in den Höhen etwas mit. Nun zu den schwierigen Themen. Als erstes die Basswiedergabe. Die ist für mich eigenartig. Während der Kickbass-Bereich so von 60Hz-100Hz deutlich zu erkennen ist, ist der Subbass-Bereich, also unter 50Hz kaum wahrnehmbar. Da helfen auch die zwei unterschiedlichen Ohrpolstersorten nichts. Es gibt einmal die „Analytics“ und zum anderen die „Balanced“. Den ausbalancierten wird etwas mehr Bass attestiert. Aber all zuviel Unterschied gegenüber den analytischen Ohrpolstern höre ich nicht und sollte man auch nicht erwarten. Ich mache nun hin und wieder auch elektronische Musik und der Subbass-Bereich ist mir wichtig. Mit diesem Kopfhörer ist es mir nicht möglich diesen zu beurteilen. Ich würde ihn stets zu fett mischen. So klingen Tracks mit einem straffen Kick wie ich sie kenne wohingegen Kicks mit längerem Decay oder gar Subbass-Sequenzen blutleer klingen. Längeres Hören mit dem 1990 pro wirkt sehr anstrengend durch die Betonung der Höhen. Meine Ohren machen da nach kurzer Zeit zu. Auch hier stellt sich mir die Frage, für wen der Studiokopfhörer gedacht ist. Sicherlich nicht um damit moderne oder gar elektronische Musik zu hören. Er ist ein Werkzeug! Dem sollte man sich bewusst sein. Genau wie der geschlossene Bruder ist der 1990er zur Beurteilung konzipiert worden. Damit hörst du jedes unerwünschte Detail im Mix und kannst ggfs. im Studio reagieren. Da sehe ich ihn. Das musste ich aber erst begreifen. Das mein Exemplar dann leider noch eine Kanalungleichheit in der Lautstärke aufwies machte den Gesamteindruck nicht besser. Denn eigtl. machten beide Kopfhörer einen sauber verarbeiteten und robusten Eindruck. Das bekräftigte dann nochmal den Entschluss den 1990er zu retournieren.

Auch hier gilt die Devise, was dem einen nicht gefällt, gefällt durchaus jemand anderem. Keine Frage. Der weiter oben erwähnte Freund attestierte dem DT 1990 Pro gar eine dunkle Klangcharakteristik. Er ist aber auch ein paar Jährchen älter als ich. Dennoch, so unterschiedlich können Beurteilungen von Kopfhörern ausfallen. Zur Vollständigkeit seien noch die ledernden Ohrpolster im Zubehör des DT 1770 Pro erwähnt, die ich aber nicht getestet habe. Ich mag sowas nun einfach nicht.

22. Februar 2018
von attix
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Das kleine Revival der Audiokassette

Es ist Mitte der 90er. Ich liege postoperativ im Krankenhausbett und begrüße meine Eltern, die eben zu Besuch gekommen sind. Meine Mutter überreicht mir etwas Lektüre und Süßes. Mein Vater nickt mir verständnisvoll zu und legt einen Walkman plus Musik auf mein kleines Krankenhaustischlein. Als ich dann später, nach dem Besuch, die Kopfhörer aufsetze und den Walkman anschalte, mache ich zum ersten Mal die Erfahrung, dass Musik einen Rausch erzeugen kann.

Wir spulen noch ein paar Jahre weiter zurück. Es ist kurz nach der Wende und meine Eltern haben sich so einen neumodischen Stereokassettenrekorder gekauft. Ich, so ungefähr 10, mache mich neugierig daran, das interessante Gerät zu erkunden. Es dauert nicht lange und ich entdecke die REC-Funktion und das eingebaute Mikrofon. Was daraus folgt sind kindlichwitzige Geschichten und erste Ansätze von Overdubbing.

Wir befinden uns in der Zeitreise nun um die Jahrtausendwende. Die wöchentliche HR-XXL Clubnight startet gerade. André Galluzzi ist heute zu Gast. Ich warte auf die ersten Töne seines DJ-Sets und drücke an meiner Hifi-Anlage auf REC. Sie wird über viele Jahre einer meiner meistgehörten Clubnights sein.

Was diese drei kleinen Anekdoten verbindet (es gäbe noch unzählige mehr) sind nicht nur meine persönlichen Erinnerungen, es ist im Besonderen die Audiokassette. Ohne sie hätte ich diese Erinnerungen nicht. Nachdem sie mittlerweile fast komplett aus dem Markt verschwunden war, kommt sie ganz vorsichtig wieder zurück. So entdeckt auf BLEEP und Bandcamp. Hier mal ein großes Lob und a big shout out an Osiris Music uk, das mittlerweile zu einem meiner Lieblingslabels avanciert ist. Gerade experimentelle Musik wird in absoluten Kleinstauflagen von wenigen Stück auf Tape konserviert. Das empfinde ich, als spannende Abwechslung zu Vinyl, sehr reizvoll. Das kleine Revival kann man sicherlich als eine Art der Ergänzung sehen. Eine neue, alte, physische Konserve in einer ansonsten körperlosen Zeit für Musik – was das Medium betrifft.

Was die Kassette damals so beliebt machte, war ihre kinderleichte Benutzung und ihre niedliche Größe. Die passte locker in jede Hosentasche. Dem gegenüber stand eine eher mittelmäßige Klangqualität, langes Spulen und die Gefahr von Bandsalat. Bei den Sachen die ich auf Audiokassette kaufe spielt die Klangqualität nicht die größte Rolle und trotz der limitierten 50er Auflagen sind die Preise sehr niedrig. Da kann ich gar nicht widerstehen. Voraussetzung ist allerdings ein Abspielgerät für Audiokassetten. Früher hatte man ja überall die Möglichkeit dazu, heute kaum noch. Ich hatte mir vor gut zwei Jahren ein Pioneer CT-737 Tape Deck zugelegt. Das erfüllt die Aufgabe in vollster Zufriedenheit.

7. Februar 2018
von attix
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Die Nische einer Nische

Lange habe ich überlegt, wie ich gewagtere Sounds in meinem YouTube-Channel unterbringen könnte. Irgendwann habe ich mir gesagt, das wird nix. Ich will den Kanal einfach nicht musikalisch zu breit werden lassen. Hin und wieder habe ich schon mal etwas straighteren Techno hochgeladen, war aber nie zufrieden damit und habe mich deshalb zurückgehalten. Da erschien die Lösung, einfach einen speziellen Channel dafür zu erstellen einfach logisch.

Dort werde ich mich austoben und wirklich sehr spezielle Sounds als eine Art Ausstellung zusammenführen. Ich will einfach mit „area mode“, so der Name des Kanals, zeigen, wie weit elektronische Musik gehen kann und welch Potenzial in dieser steckt. Manches ist schon fast 20 Jahre alt und trotzdem klingt es einfach faszinierend frisch. Das ist sicherlich nicht für jeden was – eher für die Wenigsten. Soviel sei hier auch schon mal verraten, Harmonien, Akkorde und Gesang wird man dort nicht finden. Allerdings bietet YouTube ja eine große Reichweite für Verrückte auf der ganzen Welt, die auch neugierig sind.

Für mich gibt der Channel Anlass, wieder mehr in diesen experimentellen Sektor der elektronischen Musik einzutauchen und um auf Entdeckungsreise zu gehen. Die Fundstücke lade ich dann auf area mode hoch.

Bei der Fotografie bedeutet „area mode“ Bereichsauswahl. Damit pickt man sich einen bestimmten, kleinen Messbereich aus dem ganzen Motiv. Sowas soll der YouTube-Kanal in etwa im musikalischen Kontext machen. Zudem fotografiere ich gern. Er ist auch eine Anspielung auf Area Code. So hieß Ende der Neunziger eine Radiosendung auf Evosonic Radio in der sehr straighter Techno lief und die ich sehr mochte.

hier geht’s zu „area mode“

 

19. November 2017
von attix
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Kurt im Zimmer

Kürzlich stand ich vor einem Luxusproblem. Neue Soundkarte oder neues Tonabnehmersystem? Beides mit einmal wäre zuviel gewesen, um meiner Frau die Investition noch greifbar zu machen. Im Auge hatte ich die SPL Crimson als externe Soundkarte. Die ist ja nun schon länger als Upgrade zu meiner AKAI EIE pro geplant. Die Crimson kostet alleine schon 699€. Sicherlich ist das für die gebotenen Features kein übertriebener Preis. Aber 700€ sind 700€. Gebraucht liegen die in den ebay-Kleinanzeigen so um 400€. Nicht das ich mit der anwesenden EIE pro unzufrieden wäre, aber der Lautstärkeregler kratzt an einer für mich wichtigen Stellung. Das nervt mit der Zeit! Auf der anderen Seite macht mein Audio Technica AT 440 MLb Nadelsystem am Plattenspieler Zicken. Da ist eine schwankende Kanalungleichheit in der Lautstärke die mich noch verrückt macht. Was habe ich da schon justiert, gemessen, gefummelt und getestet. Das Resultat bleibt immer gleich. Die rechte Seite ist um bis zu 5db lauter als die linke Seite. Ich bekomme es nicht weg. So blieb für mich die Abwägung, was mehr Priorität hat. Ich entschied mich nach reiflicher Überlegung, erstmal eine neue Nadel zu kaufen. Die Angst um meine Platten war größer, als ein leicht kratzender Lautstärkeregler.

So, neuer Tonabnehmer gewünscht. Nur welcher? Der Markt ist riesig. Also erstmal sondieren. Was käme für mich infrage? Neue Nadel für das 440er, anderes Audio Technica System oder gar ein anderer Hersteller? Erste Überraschung, das AT 440 MLb wird nicht mehr hergestellt. Aber Ersatznadeln bekommt man noch. Irgendwann entdeckte ich dann auch einen Tonabnehmervergleich mit Klangbeispielen auf Lowbeats.de. Damit lässt sich deutlich mehr anfangen, als die Aussagen von überschwänglich positiven Rezensionen auf Amazon oder PhonoPhono.de. Dort gibt es u.a. den Nachfolger des 440 MLb – das VM 540 ML zu hören. Auch vertreten ist die 2M-Reihe von Ortofon, sowie Systeme von Goldring und Rega und…und…und…    Ich mag persönlich das Ortofon 2M Red und auch das 2M Blue nicht! Beide hatte/habe ich schon und überzeugten nicht. Die Systeme von Audio Technica haben für meinen Geschmack zuviel Hochtonenergie und eine mir wenig gefällige Stimmenwiedergabe. Das bestätigten auch die Hörbeispiele wieder. Am besten gefiel mir das Ortofon 2M Black mit Shibataschliff. Das klang einfach genauso, wie ich mir es wünsche. Aber knapp 600€. Puhh… Soviel wollte ich für einen neuen Diamanten nicht ausgeben. Das nächst günstigere 2M System, das 2M Bronze, klingt auch wunderbar, wenn auch recht höhenbetont. Eine brutal gute Auflösung. Ich hatte aber Zweifel, dass es für meinen Musikgeschmack das richtig System sei. Gewinner war die Goldring 2xxx-Reihe. Hier im wesentlichen ab 2300 aufwärts. Die klingen dem 440 MLb recht ähnlich, ohne den spürbaren Peak im Hochton. Das 2300 wollte ich eigtl. gerade bestellen, da stieß ich auf das Ortofon Vinyl Master Silver. Und obwohl ich keine Klangbeispiele dazu hatte, bestellte ich es aus einem Impuls heraus. Die Abschlusskapazität und die Compliance passten perfekt zu meinem Audio-Setup.

Gut, dass ich das Silver vorher nicht gehört habe, ich hätte es wahrscheinlich nicht bestellt. Das ist ein Widerspruch? Aufklärung kommt gleich. Als das Ortofon System eintraf, wurde das Audio Technica vom Plattenspieler abgeschraubt und das Silver sogleich drauf. Ich hatte vorbereitend ein paar Recordings mit dem 440 MLb gemacht zwecks Vergleichsmöglichkeit. So muss ich nicht ständig zwischen den Systemen wechseln. Der Einbau- und Justieraufwand ist ja auch nicht gerade ohne. Der erste Eindruck war, „Man, spielt das Silver neutral!“. Böse Zungen würden flach sagen. Jedenfalls ein riesen Unterschied zum 440er. Mir wurden sofort klar, in das Silver muss ich mich erst einhören. Das tat ich dann auch die nächsten Tage. Mittlerweile sind diese verflogen und ich erkenne den Charakter des Ortofon Vinyl Master Silver genauer. Die Auflösung und Dynamik – phänomenal! Die neutrale Abstimmung ist dazu deutlich angenehmer als die des 440 MLb. Der Punkt, der mich aber am meisten beeindruckt, ist diese traumhafte Stimmenwiedergabe. Die Stimmen wirken so real! Ich hatte den Eindruck bei Nirvanas MTV Unplugged Konzert, Kurt steht im Raum und singt. Der Klang löst sich richtig gut von den Speakern. Aber nicht nur das, auch klingen die Stimmen durch den Detailreichtum und der tonalen Abstimmung des Silver so echt. Dieser Realismus macht mich immer wieder aufs Neue baff. Bei „Young Aren’t Young“ von „The Hundred In The Hands“ habe ich das Gefühl, Eleanore das Mikro an den Mund halten zu können. Wie schlägt es sich bei der von mir hauptsächlich gehörten elektronischen Musik? Es punktet auf ganzer Linie. Ich hänge mal als Beispiel unten „Secret Cinema“ mit „Acid Come“ an. Das Stück stammt von dem 2001 erschienen Album „White Men Can’t Funk“. Ich empfand die Nummer immer als zu höhenlastig. Das kann ich mit dem Silver nun nicht mehr behaupten. (Nirvana anzuhängen wage ich nicht wegen des Copyrights) -Ich muss an dieser Stelle auch ausdrücklich darauf hinweisen, dass der hier bereitgestellte Track nur zu Testzwecken von mir angeboten wird- Ingesamt gesehen klingt mit dem Topmodel der Vinyl Master Reihe alles mehr nach Vinyl. Es passt obendrein hervorragend zu dem von mir kürzlich erworbenen Phono-Vorverstärker, Graham Slee Gram Amp 2 Communicator. Nur, hätte ich mir das Vinyl Master Silver kurz in Klangbeispielen angehört, ich hätte sicher nicht ahnen können, welche Qualitäten es besitzt und mich nicht dafür entschieden. Zumal die Klangbeispiele von Lowbeats alle auf Soundcloud als mittelmäßige MP3 vorliegen.

„Secret Cinema – Acid Come“


 

23. August 2017
von attix
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Meine Visuals zu „2562 – Flashback“

Hierbei handelt es sich um meinen ersten Gehversuch in Maxon Cinema 4d. Um da erstmal rein zu kommen, habe ich ein Tutorial von GreyscaleGorilla nachgebaut und etwas modifiziert. Cinema 4d ist auch wieder so ein mächtiges Werkzeug. Fotorealistische Texturen und Umgebungen sind hier machbar. Auch Reaktionen auf Audio lassen sich zuweisen. Genau das, was ich gerne anwende. Der Wermutstropfen ist hier die Renderzeit. Für das „Video“ musste mein Rechner 5 Tage am Stück durcharbeiten. Am Ende hatte ich 6750 Tiffs, die anschließend in After Effects als Sequenz eingefügt und bearbeitet wurden.