Verdampft nochmal – echt schon 5 Jahre?

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Die Zeit vergeht ja so schnell und bei solchen „Jubiläen“ merkt man es immer besonders deutlich. Vor ziemlich genau 5 Jahren hatte ich mich dazu entschlossen nicht mehr zu rauchen und auf das Dampfen/E-Rauchen zu switchen. Drei Monate später verfasste ich damals einen Artikel warum und wie. Das werde ich deshalb auch gar nicht nochmal haarklein ausführen. Zudem möchte ich nicht mit meiner Sammlung an diversen Dampfgeräten (Verdampfer, Akkuträger, E-Liquids oder Wickelzeug) Werbung durch Bilder für irgendwelche Hersteller machen. Da hat sich in der Zeit ja doch schon so einiges an Hardware angehäuft. Was ich aber niederschreiben werde soll eine nüchterne Betrachtung, sowie meine persönlichen Beobachtungen und Erfahrungen nach dem letzten Artikel vor fast 5 Jahren zum Thema Dampfen sein. (Ein paar Sachen habe ich aber schon zur Veranschaulichung abgelichtet)

Angefangen mit der Dampferei hatte ich damals mit einem Kanger Tech EVOD Starterset. Das war zu dieser Zeit recht weit verbreitet und rückblickend auch ganz ok soweit. Nur die Fertigcoils waren mit einer recht hohen Ausschussquote ein Ärgernis. Deshalb experimentierte ich mit Fertigcoilverdampfern von unterschiedlichen Herstellern. (Einen Teil davon sieht man noch im Artikel von damals) So richtig glücklich wurde ich mit meinem ersten Selbstwickelverdampfer (SWVD). Damit war ich einfach unabhängiger was die Coils betraf. Der SWVD war ein Clone vom Russian 91%. Der wiederum eine modifizierte Kopie vom Kayfun Lite war. Also der Clone von einem Clone. Später besorgte ich mir dann noch perfekte Nachbauten vom Kayfun Lite+, die ich bis heute regelmäßig nutze. Also die Panikmache von damals, die Klone aus Fernost seien von minderer Qualität und hielten eh nicht lange kann ich vollkommen widerlegen. Das war mir aber auch damals beim Kauf schon klar. Zu der Zeit, als ich mit dem Selbstwickeln anfing, switchte die dampfende Gemeinde von der gängigen aber teuren Glasfaser/Silikatschnur auf Bio-Watte aus der Drogerie. Diese war ein ordentliches Upgrade und quasi kostenlos. So ein 80g Pack für 1€ reicht ein Leben lang. Als Alternative dazu gab es immer wieder Genesis SWVD. Das sind Verdampfer die auf den Gebrauch mit Edelstahlsieb (ESS), welches zu einem Röllchen geformt wird, ausgelegt sind. (Watte und ESS dienen dem Liquidtransport im Verdampfer.) ESS ist nach wie vor geschmacklich mein Favorit. Im „The Kraken“ vorzugsweise – jedoch vom Handling ein ganzes Stück komplizierter als Bio-Watte. Genesis SWVDs kann man aber auch prima mit Watte bestücken. Selber wickeln tue ich bis heute und besitze auch ausschließlich Selbstwickelverdampfer. Der neueste Zugang war jetzt kürzlich ein Expromizer V3 – der erste Neukauf seit zwei Jahren.

Wicklung mit Bio-Watte (frisch gewickelt)

Wicklung mit ESS als Röllchen (schon etwas benutzt)

In den 5 Jahren konnte ich beobachten, wie die Ohmwerte der Coils immer kleiner und die Dampfmengen immer größer wurden. Davon war ich nie ein Fan. Ich dampfe, bis auf vllt. ein halbes Jahr Ausnahme, immer traditionell Backe. Bin also kein Freund von direkten Lungenzügen. Experimente mit Subohmwicklungen gab es von meiner Seite aus schon, Pinoy hat mich aber nie gehypt, so dass ich schnell das Interesse daran verloren habe. Ich finde es auch bedenklich so nah am Kurzschluss zu wickeln. Meine gebräuchlichen um 1Ω-Wicklungen haben ja nun wirklich kaum noch Widerstand. Wenn ich dann aber sehe, dass auf Amazon Fertigcoils mit 0,12Ω! verkauft werden kann ich nur noch mit dem Kopf schütteln. Es scheint somit nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis den Leuten scharenweise ihre Dampfgeräte um die Ohren fliegen. Auch ein Sony Konion Akku hat seine Grenzen. Der neueste Schrei sind großflächige Mesh-Verdampfer. Wers brauch…

Einher mit den gefährlich niedrigen Ohmwerten gingen die Wattmengen der Akkuträger. Erst gab es Geräte mit 10-15W dann mit 30W, 50W, 100W oder 200W+. Es scheint fast so, als gäbe es heute kein Limit mehr. Ich dampfe selten mehr als 20W. Dieser Hype ging also auch an mir spurlos vorbei. Dann gab es eine bemerkenswerte Verbesserung in den Akkuträgern. Der TC-Mode – also temperaturgeregeltes Dampfen. Damit bleiben die gehassten Dry-Hits aus (das Trockenlaufen der Coils). Als Konsequenz wurde der weitverbreitete Kanthal A1 Draht, den sehr viele Selbstwickler nutzten fast obsolet und Edelstahl als Wickeldrahtsorte startete seinen Triumphzug. Den benutze ich selbst nur noch. (Edelstahl ist neben Nickel-Chrom und Titan für TC geeignet, Kanthal eher nicht.)

Worin lag der Ursprung für dieses Höher-Schneller-Weiter? Ganz einfach. Das kam daher, dass die E-Zigarette vom praktischen Zigarettenersatz zum Lifestyle Produkt avancierte. Waren es anfänglich überwiegend Raucher mit einer jahrzehntelangen Sucht, die eine weniger schädliche Alternative wählten, kamen nun viele junge Leute zum Dampfen, die mit möglichst großen Dampfwolken auf dicke Hose machen wollen. Stichwort „Cloud-chasing“. Übrigens gibt es auch viele ältere Semester, die sich diesem Unsinn nicht entziehen können. Waren die ersten Geräte noch auf Understatement ausgelegt und dienten hauptsächlich ihrem praktischen Nutzen muss heute alles bunt und kitschig sein, oder eben komplett auf Höchstleistung getrimmt. Ich weiß nicht, was ich davon für dämlicher halte. Denn scheinbar vergessen sehr viele Dampfer recht schnell, warum sie ursprünglich zu Dampfen anfingen. Das wird auch mit ein Grund sein, warum die erste Generation DampfTuber, also die alten Herren, sich diesem Zirkus entzogen haben. Es gibt aber zum Glück noch genug vernünftige Geräte auf dem Markt!

Ich suchte immer kleine und praktische Geräte. Da legte ich schon immer mein Hauptaugenmerk drauf. Was will ich denn mit so einem riesen Eumel? Das Ding muss komplett in der Hosen- oder Jackentasche verschwinden können. Lange Zeit war die Cloupor Mini mein Alltagsakkuträger und wurde vor 2-3 Jahren von der Evic VTC Mini abgelöst. Die erfüllte damals alle meine Verbesserungswünsche zur Cloupor und die nutze ich in drei unterschiedlichen Ausführungen noch heute. Die VTC Mini ist für mich nach wie vor einfach der perfekte Akkuträger.

Links: „The Kraken“ auf Evic VTC Mini (in Schutzhülle) – Rechts: Expromizer V3 auf Evic VTC Mini (in Schutzhülle)

Nun noch ein paar Erfahrungen und Beobachtungen die ich über die Dampferszene sammeln konnte. Den meisten sind sicherlich die DampfTuber auf YouTube ein Begriff. Die stehts eine große Hilfe und auch Kaufanregung für mich waren. Da ist in den 5 Jahren viel passiert. Die alten Herren sind mittlerweile leider auf dem Rückzug. Dirk Oberhaus, Der Dampfmacher, igetcha69 oder Vaporama (der Kai ist ja noch nicht ganz so alt) machen keine Videos mehr. Michael Perlitschke ist zum Nichtraucher/Nichtdampfer geworden und macht zu dem Thema auch zukünftig keine Videos. Selbst der Dampfpapst Philgood ist nun dabei sich peu à peu zurückzuziehen. Dennoch gibt es weiterhin viele DampfTuber. Zu denen finde ich aber keinen Draht. Das scheinen eh nur noch reine Verkaufsveranstaltungen zu sein. Jahrmarktschreier sind nichts dagegen. Der größte YouTuber mit Dampfthemen ist aktuell RIP Trippers aus den USA. Den schaue ich mir hin und wieder mal an, der ist aber auch nur dabei, Sachen an den Mann zu bringen.

Ich bin ja nicht nur Selbstwickler sondern auch Selbstmischer. Ich baue mir also meine eigenen E-Liquids mit 6mg Nikotinstärke. Die Kostenersparnis damit war und ist noch erheblich. Leider ging es hauptsächlich den Selbstmischern mit der Umsetzung der TPD2 an den Kragen. Die Händler hat es gefreut. Denn bei einer maximal erlaubten Gebindegröße von 10ml für Nikotinbasen bleibt kaum noch Raum für Einsparungen. Die Leute, die sich noch rechtzeitig mit Basen eingedeckt hatten, haben noch Glück, aber auch diese Vorräte werden irgendwann aufgebraucht sein. Mal schauen, ob die Zukunft da Verbesserungen bereithält. Die Fertigliquids, die es überall zu kaufen gibt sind schon unverschämt teuer meiner Meinung nach! Zudem denkt jeder Dödel, er müsste eine eigene Liquid-Linie auf den Markt bringen, die dann auch nochmals teurer ist.

Facebookgruppen. Ich war mal eine kurze Zeit lang in diversen Facebookgruppen zum Thema Dampfen. Eine davon war dem Enigma von Steampipes gewidmet. Der Enigma war ein Tröpflerhybrid Themenmod. Schweineteuer aber auch sehr geil. Jegliche gut gemeinte Kritik von mir wurde in dieser Gruppe schwer attackiert. Dort waren für mich nur Idioten vertreten ums mal kurz zu sagen. Da habe ich mich auch ganz schnell wieder entfernt und den Enigma verkloppt. Auch scheint es Hersteller zu geben, die auf Kritik an ihren vollkommen überteuerten Geräten (aus meiner Sicht) nur mit Angriff reagieren können. Ich nenne hier mal Steampipes und Niko Vapor. Das scheint eine Besonderheit im deutschsprachigen Raum zu sein. Dieser spezielle Service ist in dem saftigen Verkaufspreis quasi inbegriffen. Von den chinesischen Herstellern habe ich das jedenfalls noch nicht mitbekommen. Würde ich aber jetzt auch nicht kategorisch ausschließen wollen. Mir ist nur kein Fall bekannt.

Zum Schluss noch ein paar Worte zum leidigen Thema Originale vs Clone. Soll sich doch jeder kaufen was er möchte. Ich lasse mir sicher nicht von irgendwelchen Fremden vorschreiben, was ich zu kaufen habe. Selber würde ich mir kein Gerät teurer als 40€ mehr kaufen. Es gibt ja mittlerweile Geräte um die 200 Tacken. Ich rede hier von reinen SWVD. Da brauchts schon noch einen zusätzlichen Akkuträger für die Nutzung. Es stellt sich für mich überhaupt nicht die Frage, ob ich mir das kaufen würde. Gäbe es aber einen Klon davon unter den bereits erwähnten 40€ und das Teil interessiert mich würde ich da schon zuschlagen. Somit entstünde dem Hersteller des Originals auch kein Schaden. Weil, wie gesagt, ich kaufe mir bestimmt keinen Verdampfer für 100 oder gar 200€! Ich habe mir aus diesem Grund auch meistens Klone gekauft und ich kann mich an keine Enttäuschung erinnern. Das waren und sind alles vernünftige Geräte. Wer sich jedoch so ein hochpreisiges Gerät kaufen mag, soll es machen. Ich werde mich nicht über solche Leute lustig machen, da es mir schlicht egal ist.

Damit soll es das zu diesem Thema auf meinem Blog auch gewesen sein. Das Dampfen ist zwar zu einem ständigen Begleiter geworden und ich wickle nach wie vor sehr gern und probiere auch mal wieder was Neues aus, aber so wichtig ist das nicht mehr für mich. Auch wenn dieser Artikel hier wie ein Rant daherkommen mag, möchte ich doch klarstellen, dass ich das Dampfen nach wie vor sehr gut finde und als einzige wirkliche Alternative zur Kippe um davon wegzukommen sehe. Viel verändern wird sich scheinbar nicht mehr in der Dampfwelt aber wer weiß das schon. Ich hatte mich jedenfalls vor zwei Jahren noch schnell mit zwei Litern 36er Bunkerbase eingedeckt. Die habe ich bezahlt und die wird auch noch vernichtet. Spätestens dann werde aber auch ich mit der Dampferei aufhören. Vielleicht schreibe ich dann nochmal einen Artikel dazu.

Als persönliches Fazit und Rat aus meinen 5 Jahren Dampfer bleibt für mich nur zu sagen:

  • Dass es stets viele neue Geräte gab und immer noch auf den Markt kommen werden. (Aktuell drängen sich die Pods-Systeme auf. Zu den Teilen habe ich keine wirkliche Meinung, außer dass das Dampfen damit echt bescheuert aussieht.)
  • Es wie überall viele Idioten auch in der Welt des Dampfens gibt.
  • Der Reiz mittlerweile etwas verloren ging.
  • Facebookgruppen zum Thema Dampfen für mich absolut uninteressant sind.
  • Man keinem DampfTuber glauben soll, dass das Gerät, welches er gerade reviewt auch wirklich so toll ist wie er behauptet. (Generell sollte man auf die Meinung eines YT-Reviewers überhaupt nichts geben. Egal wie sympathisch er auch scheint. Einfach rational für sich entscheiden, ob das Produkt was für einen selbst ist!)
  • Die Diskussion Original vs Clone einfach vollkommen überflüssig ist und es nie einen Konsens darüber geben wird.
  • Man viele dampfende Leute mittlerweile auf der Straße sieht und sich dadurch nicht mehr wie ein Alien fühlt.
  • Ich mich immer noch über jeden freue der nicht mehr raucht.
  • Es nie bereut habe umgestiegen zu sein.

 

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